Kurbelwelle und Kurbelwellenlager am Roller wechseln
Heult oder mahlt der Motor, hat die Kurbelwelle Spiel oder ziehen die Simmerringe immer wieder Luft, sind meist die Kurbelwellenlager fertig. Dafür musst du den Motor ausbauen und das Gehäuse spalten. Hier siehst du den Ablauf und die wichtigsten Kniffe.
Kurz gesagt
Motor ausbauen, alle Anbauteile von der Kurbelwelle runter, Gehäuse mit einem Gehäusespalter trennen. Lager abziehen, Gehäuse erwärmen, neue Lager gekühlt einsetzen. Beim Zusammenbau Dichtflächen sauber, dünn abdichten, Schrauben über Kreuz anziehen und am Ende neue Simmerringe einsetzen. Lager und Simmerringe immer komplett erneuern.
Bevor du anfängst
- Heulen oder Singen aus dem Motorblock, das mit der Drehzahl steigt: typisch für verschlissene Lager.
- Mahlen oder Rasseln im Standgas ohne Last.
- Kurbelwelle quer zur Achse bewegen: spürbares Radialspiel heißt Lager fertig.
- Leicht axiales Spiel ist normal, Grenzwert laut Werkstatthandbuch deines Modells.
- Glitzernde Metallspäne im Kurbelgehäuse sind ein klares Warnsignal.
- Erst ausschließen: Kolben, Zylinder und Ringe, z. B. per Kompressionstest.
1Vorbereitung
- Kauf Kurbelwelle, beide Hauptlager und alle Simmerringe passend zu deinem Motor. Der Wechsel lohnt sich nur komplett.
- Für den Lagerwechsel muss der Motor raus und das Gehäuse gespalten werden.
- Zylinder und Kolben kommen dabei ab. Für den Wiedereinbau brauchst du eine neue Fußdichtung, siehe Zylinder einbauen.
- Ohne Gehäusespalter und Lagerabzieher wird es schwer. Mit Hammer und Meißel beschädigst du Gehäuse und Dichtflächen.
- Fotografiere jeden Schritt. Die Reihenfolge von Scheiben, Hülsen und Clips willst du später nicht raten.
2Motor zerlegen und spalten
Ansaugseite ansehen
Schau vor dem Zerlegen durch den Ansaug ins Gehäuse. Schäden sieht man oft schon hier, manchmal aber erst nach dem Spalten.
Anbauteile ab
Variomatik, Polrad, Zylinder und Kolben abbauen. Seegeringe mit der Zange abnehmen.
Keil sichern
Den Keil vom Polrad auf der Welle sicher aufheben. Ohne ihn läuft der Motor später nicht.
Anlasser und Ölpumpe ab
Anlasser abschrauben. Die Ölpumpe kommt ebenfalls ab, bei vielen Motoren verdeckt sie Gehäuseschrauben.
Gehäuse spalten
Alle Gehäuseschrauben lösen. Gehäusespalter ansetzen und die erste Hälfte abdrücken, dann die Welle aus der zweiten Hälfte drücken.
Lager und Ringe raus
Lager mit dem Lagerabzieher ziehen. Die alten Simmerringe mit einer Nuss heraustreiben.
3Alte Teile beurteilen
- Ein Lager, das beim Drehen rau läuft oder Geräusche macht, ist hinüber. Ein neues Lager dreht leise und leicht.
- Blau angelaufene Stellen an Welle oder Pleuel deuten auf Überhitzung hin.
- Bei hoher Laufleistung oder Schäden am Pleuel nimm eine neue Kurbelwelle, nicht nur neue Lager.
- Finde die Ursache: Falschluft, magere Bedüsung oder zu wenig Öl ruinieren auch die neuen Teile.
4Neue Lager einsetzen
Der Trick ist Temperatur: warmes Gehäuse, kalte Lager. Dann rutscht das Lager fast von allein in den Sitz.
Gehäuse säubern
Gehäusehälften gründlich mit Bremsenreiniger säubern. Keine Reste von Dichtung oder Spänen.
Lager kühlen
Neue Lager ins Gefrierfach legen oder mit Kältespray kühlen. Im Werkstattvideo liegen sie über Nacht im Gefrierfach.
Gehäuse erwärmen
Lagersitz mit dem Heißluftföhn gleichmäßig und großflächig erwärmen. Die genaue Temperatur steht im Werkstatthandbuch deines Modells. Nicht punktuell überhitzen.
Lager einsetzen
Kaltes Lager gerade in den warmen Sitz setzen. Es soll ohne Verkanten reinrutschen. Muss nachgeholfen werden, nur über den Außenring mit passendem Werkzeug. Kalte Lager nie mit dem Hammer einschlagen.
Ölen
Etwas Zweitaktöl in die neuen Lager geben, damit sie beim ersten Start nicht trocken laufen.
Lagerart beachten
Es gibt Lager mit Kunststoff- und mit Stahlkäfig. Bei manchen Lagern ist eine Einbaurichtung vorgegeben. Halte dich an die Beilage des Herstellers.
5Welle einsetzen und Gehäuse schließen
Richtig herum
Prüf vor dem Einsetzen, welche Seite der Welle zur Zündung und welche zur Vario gehört. Nicht vertauschen.
Welle einsetzen
Welle mit Kältespray kühlen, Gehäuse erneut anwärmen und die Welle in die Lager setzen.
Dichtflächen
Dichtflächen fettfrei machen. Entweder die passende Gehäusedichtung nehmen oder dünn und gleichmäßig Flächendichtung auftragen. Nichts in Bohrungen oder Kanäle laufen lassen.
Verschrauben
Hälften zusammensetzen, Schrauben über Kreuz anziehen. Racing Planet sichert sie zusätzlich mit Schraubensicherung. Drehmoment laut Werkstatthandbuch deines Modells.
Freigängigkeit prüfen
Kurbelwelle von Hand drehen. Sie muss frei laufen. Klemmt sie, nicht mit Gewalt arbeiten: Racing Planet nennt einen vorsichtigen, gezielten Schlag, nimm dafür nur einen Kunststoffhammer. Harte Schläge können eine gepresste Kurbelwelle verdrehen. Läuft sie danach nicht frei, Gehäuse wieder öffnen und den Lagersitz prüfen.
Simmerringe setzen
Neue Simmerringe mit einer Nuss gerade und bündig eintreiben, beschriftete Seite nach außen. Dann die Seegeringe wieder einsetzen, falls dein Motor welche hat.
Häufige Fragen
Reicht es nicht, nur die Simmerringe zu tauschen?
Nur wenn die Lager kein Spiel haben. Undichte Simmerringe sind oft ein Zeichen für verschlissene Lager. Dann hält ein neuer Ring nicht lange.
Kann ich die Lager ohne Gehäusespalter tauschen?
Theoretisch ja, praktisch riskierst du beschädigte Gehäusehälften und Dichtflächen. Ein Spalter ist meist günstiger als ein neues Gehäuse.
Muss ich nach dem Wechsel einfahren?
Neue Lager und eine neue Welle solltest du schonend in Betrieb nehmen. Achte in den ersten Kilometern auf Geräusche und Dichtheit. Kam auch ein neuer Zylinder dazu, gelten dessen Einfahrregeln.