Minarelli stehend 50 ccm

Der luftgekühlte Minarelli-Motor mit stehendem Zylinder steckt in MBK Booster, Yamaha BW's und ihren Geschwistern. Er gilt als robust und wartungsarm, und für kaum einen Rollermotor gibt es so viele Ersatz- und Tuningteile. Hier findest du die wichtigsten Daten, typische Macken und den Weg von Serie bis Racing.

Steckt in diesen Rollern

MBK Booster (Next Generation, Rocket, Spirit, Track)Yamaha BW's (Original, Next Generation, Bump, Spy)MBK StuntYamaha SliderAprilia Amico

Technische Daten

BauartEinzylinder-Zweitakter, stehender Zylinder, Membraneinlass
Bohrung × Hub40 × 39,2 mm laut Wikipedia (BW's/Booster); ein Datenblatt (BW's 2010) rundet auf 40 × 39 mm. Serien- und 50-ccm-Ersatzzylinder werden mit Ø 40 mm angeboten
Hubraum49,7 cm³ (meistverkaufte Version, ca. 2,7 kW)
KühlungLuftgekühlt mit Gebläse – die Lüfterhaube muss komplett dran sein
SerienvergaserDell'Orto PHBN 12 HS bei Booster/BW's 1996–1998 (Hauptdüse 93, Leerlaufdüse 40, Nadel A21); andere Baujahre bzw. Märkte haben andere Vergaser (z. B. beim US-BW's ein 14-mm-Teikei mit Startautomatik) – Typ am Vergaser ablesen
ZündkerzeLaut Werkstatthandbuch deines Modells; Händler führen für den Booster vor allem NGK BR7HS bzw. BR8HS (wärmere/kältere Variante)
Variorollen15 × 12 mm; Seriengewicht je nach Modell etwa 5 bis 6,5 g (Richtwert, im Handbuch prüfen)
KeilriemenFür Booster 1997–2002 wird 745 × 16,6 mm (28°) angeboten – Maß am alten Riemen gegenprüfen
KupplungsglockeØ 105 bzw. 107 mm (je nach Modell)
Reifen (BW's/Booster, Angabe zum US-BW's)10 Zoll: vorn 120/90-10, hinten 130/90-10 (ältere Modelle hinten 125/90-10)

Werte aus Datenblättern, Herstellerangaben und Teilehändlern. Wo Quellen sich widersprechen, steht es dabei. Im Zweifel gilt das Werkstatthandbuch deines Modells.

Worauf du achten solltest

Typische Schwachstellen und Prüfpunkte bei diesem Motor, besonders beim Gebrauchtkauf.

Rissige Ansaugstutzen

Der Gummi wird mit den Jahren hart und reißt. Die Falschluft macht das Gemisch mager: hohes, schwankendes Standgas und im schlimmsten Fall ein Kolbenklemmer.

Kurbelwellen-Simmerringe und Lager

Alte Wellendichtringe ziehen Falschluft, verschlissene Lager singen oder rasseln. Das betrifft jeden älteren Zweitakter und wird nach Drehzahl-Tuning schneller zum Thema.

Kolbenklemmer nach Umbauten

Häufigste Ursache ist ein zu mageres Gemisch, etwa wenn nach Entdrosseln, Luftfilter- oder Auspufftausch nicht neu bedüst wurde. Auch fehlendes Öl in der Getrenntschmierung oder eine fehlende Lüfterhaube führen dazu.

Verschlissene Variomatik

Abgeflachte 15er-Rollen, ausgeschlagene Buchse und kaputte Gleiter kosten Endgeschwindigkeit und sorgen für Rupfen und Klappern.

Hoher Verbrauch

Der Booster ist für einen 50er durstig – knapp 5 Liter auf 100 km gelten als normal. Deutlich mehr deutet auf falsche Bedüsung oder Falschluft hin.

Tuning in drei Stufen

Welche Teile sich auf dem Weg zu mehr Leistung ändern. Reihenfolge einhalten, sonst passt die Abstimmung nicht.

Stufe 1

Serie

Erst die Basis: Ansaugstutzen, Membran, Simmerringe und Kompression prüfen, dann Riemen und Rollen erneuern. Ein gesunder Serienmotor mit sauberem Serienvergaser und passender Bedüsung ist die Grundlage für alles Weitere.

  • Ansaugstutzen
  • Membranblock (Serie)
  • Variorollen 15 × 12 mm
  • Keilriemen
  • Zündkerze
Stufe 2

70 ccm Sport

Ein 70er-Zylinder mit 47 mm Bohrung bringt den größten Schritt. Dazu gehören ein Sportauspuff, ein 17,5er-Vergaser mit passendem Ansaugstutzen, neue Düsen, angepasste Rollengewichte und oft eine stärkere Kupplungs- bzw. Gegendruckfeder. Starte fett bedüst, fahr den Zylinder ein und lies das Kerzenbild.

  • 70-ccm-Zylinderkit Ø 47 mm
  • Sportauspuff
  • Vergaser 17,5 mm (PHBN/PHVA)
  • Ansaugstutzen 17–21 mm
  • Hauptdüsen-Satz
  • Sportvariomatik bzw. Rollen
  • Gegendruckfeder
Stufe 3

Racing

Für echte Rennmotoren kommen Rennzylinder, Resonanzauspuff, Flachschiebervergaser ab 21 mm (oft 24–28 mm PWK), Sport-Membran und verstärkte Kurbelwelle zum Einsatz. Ab hier musst du Kupplung, Zündung und Übersetzung mit abstimmen – das ist ein Projekt für Privatgelände oder Sport.

  • Rennzylinder
  • Resonanzauspuff
  • Vergaser 21–28 mm (PWK)
  • Großer Ansaugstutzen 24–28 mm
  • Sport-Membranblock / Carbon-Zungen
  • Rennkurbelwelle
  • Sportkupplung
  • Zündung mit variablem Zündzeitpunkt
Rechtlich: Gedrosselt wird der Booster ab Werk typischerweise über mehrere Stellen gleichzeitig: Distanzring in der Variomatik, Engstellen im Ansaugtrakt oder Auspuff und teils die CDI. Welche Kombination dein Modell hat, steht im Werkstatthandbuch oder zeigt ein Blick auf Vario, Ansaugstutzen und Krümmer. Ein 50er-Roller mit Versicherungskennzeichen darf in Deutschland bauartbedingt höchstens 45 km/h fahren. Die Drossel ist Teil der Betriebserlaubnis: Wer sie entfernt oder einen größeren Zylinder einbaut, verliert in der Regel die Betriebserlaubnis und riskiert den Versicherungsschutz – nach einem Unfall kann das richtig teuer werden. Legal ist so ein Umbau nur mit Abnahme und passender Zulassung, Führerscheinklasse und Versicherung oder auf Privatgelände bzw. im Sport. Heb die ausgebauten Drosselteile auf, damit du den Originalzustand wiederherstellen kannst.

Teile und Kompatibilität

  • Booster und BW's sind technisch praktisch baugleich – Teile für den einen passen in der Regel auch für den anderen.
  • Zwischen Minarelli stehend und liegend sind viele Motorteile tauschbar, aber nicht Kurbelwelle, Zylinder samt Lüfterhaube und Auspuff.
  • Manche 70er-Kits für den stehenden Minarelli gibt es in zwei Varianten (z. B. „klein“ und „groß“) – frag vor dem Kauf nach, welche zu deinem Motor passt.
  • Bei Kolben und Kurbelwellen gibt es 10- und 12-mm-Kolbenbolzen – vor dem Bestellen am eigenen Motor nachsehen.
  • Vergaser, Zündung und CDI unterscheiden sich je nach Baujahr – Teile nach Baujahr bzw. Fahrzeugtyp bestellen.
  • Viele China-Zweitakter (CPI, Keeway, Generic) kopieren laut Teilehändlern den liegenden Minarelli, nicht den stehenden – mehr dazu im Hub zum China-2-Takt.

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