Roller-Rahmen entrosten und konservieren
Unter der Verkleidung sieht kaum jemand hin.
Kurz gesagt: Verkleidung ab, Batterie abklemmen, Rahmen gründlich waschen. Losen Rost mit Drahtbürste und Schleifpapier entfernen, entfetten und den Rest mit einem Rostumwandler behandeln. Danach lackieren und Hohlräume mit Wachs oder Lanolinspray schützen. Durchgerostete tragende Stellen verspachtelst du nicht. Die gehören zum Schweißer oder der Rahmen wird getauscht.
Inhalt · 8 Abschnitte
1Verkleidung ab, Batterie raus
Batterie abklemmen
Zuerst den Minuspol abklemmen, dann den Pluspol, und die Batterie ausbauen. So kannst du beim Bürsten und Schleifen nichts kurzschließen, und Funken bleiben weg vom Benzin.
Verkleidung abbauen
Plastikteile abschrauben und die Schrauben nach Bauteil sortieren. Mach Fotos von Kabelwegen und Klammern. Wie du gerissene Teile gleich mit reparierst, steht in der Anleitung zur Verkleidung.
Benzin und Kabel schützen
Tank und Benzinleitung bleiben dran oder werden dicht verschlossen. Kabelbaum, Stecker und Vergaser deckst du mit Folie ab, damit kein Schleifstaub und kein Rostumwandler reinkommt.
Gründlich waschen
Rahmen mit Reiniger und Bürste waschen und trocknen lassen. Erst ohne Dreck und Öl siehst du, was Rost ist und was nur Schmutz.
2Rost einschätzen
Nicht jeder Rost ist ein Problem. Entscheidend ist, ob nur die Oberfläche angegriffen ist oder das Material schon dünn wird.
- Flugrost: Braune Schicht auf der Oberfläche, darunter festes Metall. Abbürsten, umwandeln, lackieren.
- Blattrost: Der Rost blättert in Schichten ab, unter dem Lack sind Blasen. Mechanisch bis aufs feste Metall runter, dann umwandeln.
- Durchrostung: Der Schraubendreher geht durch, oder das Blech gibt nach. An tragenden Teilen wie Rahmenrohr, Hauptständeraufnahme, Motoraufhängung oder Lenkkopf ist das ein Fall für den Schweißer oder einen anderen Rahmen.
- Aus der Praxis: Bei Rollern rostet es oft unter dem Trittbrett, rund ums Batteriefach und an der Hauptständeraufnahme. Dort sammeln sich Wasser und Streusalz.
- Dicke Schichten Unterbodenschutz oder Spachtel auf tragenden Teilen verdecken Schäden. Ein Prüfer muss das Metall darunter noch sehen können.
- Motor: 70er 2Extreme, geportet, 24er Vergaser, großer Ansaugstutzen, längerer Keilriemen
- Neuer Verkleidungssatz hätte rund 500 € gekostet, deshalb restauriere ich die alten Teile
- Plan: Sitzbezug neu, neue Reifen, Felgen abbeizen und lackieren, Rahmen mit Rostumwandler
- Starke Vibrationen kamen von losen Verkleidungsteilen und einem lockeren Auspuff
3Rost mechanisch entfernen
Grob runter
Losen Rost und abgeplatzten Lack mit Drahtbürste, Fächerscheibe oder Schleifpapier entfernen. Laut Brunox-Datenblatt reicht ein Entrostungsgrad, bei dem nur noch fester Rost in den Poren sitzt.
Fein schleifen
Ränder zum intakten Lack mit P120 sauber auslaufen lassen. Laut Mipa-Datenblatt ist P120 auch die Körnung, mit der du blanken Stahl vor einer Epoxy-Grundierung schleifst.
Staub weg, entfetten
Rostpulver abblasen oder abwaschen und die Fläche entfetten. Rostumwandler und Lack halten nicht auf Staub und Fett.
Strahlen nur mit dem richtigen Mittel
Ein nackter Rahmen lässt sich am gründlichsten strahlen. Dafür kein Quarzsand: In Deutschland dürfen Strahlmittel laut DGUV-Regel höchstens 2 % freies Quarz enthalten. Üblich sind Korund, Schlacke oder Stahlkies.
4Rostumwandler richtig verwenden
Ein Rostumwandler macht den restlichen Rost in den Poren zu einer festen, schwarzen Schicht. Er ersetzt aber nicht das Entfernen von losem Rost. Zwei verbreitete Produkte arbeiten unterschiedlich.
Brunox epoxy (Spray)
Laut Datenblatt 3–4 Schichten aus etwa 25 cm sprühen. Staubtrocken nach rund 1 Stunde, durchgetrocknet nach rund 24 Stunden bei 20 °C. Kein Abwaschen nötig. Nicht unter 10 °C sprühen.
Lack auf Brunox
Laut Hersteller passen Kunstharzlacke oder Eisenglimmerlacke als Decklack. Nitrolacke werden nicht empfohlen. 2K-Lacke und Spachtel vorher an einer kleinen Stelle testen.
Fertan (wasserbasiert)
Laut Datenblatt mit Pinsel, Schwamm oder Sprühflasche auftragen und bis zu 48 Stunden reagieren lassen. Bei trockener Luft die Fläche leicht feucht halten. Danach gründlich mit Wasser abwaschen, trocknen lassen und lackieren oder wachsen.
Kontrolle
Der Rost muss überall schwarz und fest geworden sein. Bleiben braune Stellen, war dort noch zu viel loser Rost. Nachbürsten und nochmal behandeln.
5Grundieren und lackieren
Abkleben
Lagersitze, Gewinde, Lenkkopf und alle Massepunkte der Elektrik abkleben. Lack auf einem Massepunkt sorgt später für flackerndes Licht oder tote Blinker.
Blanken Stahl grundieren
Wo kein Rostumwandler ist, grundierst du blanken Stahl. Ein 1K-Epoxy-Primer ist laut Mipa nach etwa 30 Minuten bei 20 °C überlackierbar. Danach mit P400 anschleifen.
Decklack in mehreren Schichten
Mehrere dünne Schichten statt einer dicken. Hammerite nennt für seinen Metallschutzlack 100 µm Trockenschicht als Minimum für guten Rostschutz, das sind 4–5 Spritzgänge. Nimm diesen Wert als Richtwert, auch für andere Lacke.
Den richtigen Lack wählen
Achtung: Das Datenblatt des Hammerite Hammerschlaglacks schließt Fahrzeuge ausdrücklich aus. Für den Rahmen nimmst du einen Lack, der zu deinem Rostumwandler passt, zum Beispiel einen Kunstharzlack.
Aus meinem Video
Beim SYM-Flash-Winterprojekt kommen erst alle Plastikteile runter. Dann behandle ich den Rahmen mit Rostumwandler und mache etwas Farbe drauf, damit er unten nicht wegrostet. Wenn die Verkleidung eh ab ist, kostet das kaum Zusatzzeit.
6Hohlräume und Unterseite konservieren
Rahmenrohre rosten oft von innen. Lack kommt da nicht hin, Hohlraumschutz schon.
- Lanolinspray (z. B. Fluid Film): Wird kalt gesprüht, bleibt halbflüssig und kriecht in feine Spalten. Laut Kfz-Meisterbetrieb Dietrich hält es etwa ein Jahr, dann sprühst du nach.
- Heißwachs (z. B. Mike Sanders): Muss auf 90–110 °C erhitzt werden und hält dann viele Jahre. Das ist eher etwas für die Werkstatt, nicht für die Spraydose zu Hause.
- Mit Sprühsonde in die Rahmenrohre und hinter Bleche sprühen. Ablauflöcher frei lassen, sonst steht dort das Wasser.
- Bremsscheiben, Bremsbeläge, Reifen und den Riemenbereich unbedingt sauber halten.
- Im Winter regelmäßig Streusalz abwaschen. Das ist der billigste Rostschutz überhaupt.
- Aus meinem Video: Beim 70-ccm-Build habe ich den Auspuff vom Rost gesäubert und danach eingeölt. Für Teile, die du nicht lackierst, ist ein dünner Ölfilm ein schneller Schutz.
7Typische Fehler
- Rostumwandler auf dicken, losen Rost gestrichen. Er wandelt nur die Oberfläche um, darunter rostet es weiter.
- Fertan nicht abgewaschen. Lose Reste und schwarzer Staub verschlechtern die Haftung des Lacks.
- Nitrolack auf Brunox oder einen Lack ohne Test auf den Rostumwandler gesprüht. Er kann sich ablösen oder runzeln.
- Bei Kälte gearbeitet. Unter 10 °C trocknen viele Produkte schlecht.
- Massepunkte mitlackiert. Danach suchst du Elektrikfehler, die keine sind.
- Durchrostung an tragenden Teilen zugespachtelt. Das sieht gut aus, hält aber nichts.
- Aus meinem Video: Beim SYM Flash, der lange stand, sah vieles schlimmer aus, als es war. Das meiste war Dreck mit minimalem Rost. Erst waschen, dann bewerten spart dir Arbeit.
8Was kostet das?
Preisspannen aus Shops, Stand November 2026.
- Brunox epoxy 400 ml Spray: etwa 24 € (nonpaints). Für einen Rollerrahmen mit einzelnen Roststellen reicht meist eine Dose.
- 1K-Epoxy-Grundierung oder 2K-Epoxy-Grundierfiller: etwa 32 € für die 2K-Dose (Mipa, nonpaints).
- Halbmaske A2P2: etwa 53 € im Baumarkt (3M). Die brauchst du auch für alle anderen Lackierarbeiten.
- Rahmen strahlen lassen: Preis beim Strahlbetrieb anfragen. Für eine einzelne Felge liegen Fachbetriebe grob bei 30–100 €, ein Rahmen ist deutlich mehr Arbeit.
- Drahtbürsten, Schleifpapier und Abklebeband liegen meist schon in der Werkstatt.
Werkzeug für diese Arbeit
- Werkzeug zum Abbauen der Verkleidung
- Drahtbürste (Hand und Bohrmaschine oder Winkelschleifer)
- Schleifpapier P80 und P120
- Schraubendreher zum Abklopfen
- Reiniger, Entfetter oder Silikonentferner
- Rostumwandler (z. B. Brunox epoxy oder Fertan)
- Grundierung und Decklack, z. B. Kunstharzlack
- Hohlraumschutz mit Sprühsonde
- Abklebeband
- Halbmaske A2P2, Schutzbrille, Handschuhe
- Folie zum Abdecken des Bodens
Häufige Fragen
Reicht Rostumwandler allein?
Nein. Losen Rost musst du vorher mechanisch entfernen. Danach braucht die umgewandelte Schicht einen Decklack oder Wachs. Laut Fertan hält eine unbehandelte Schicht einige Wochen bis Monate, für dauerhaften Schutz brauchst du eine Deckschicht.
Brunox oder Fertan?
Brunox epoxy ist Rostumwandler und Grundierung in einem und wird nicht abgewaschen. Fertan ist wasserbasiert, braucht bis zu 48 Stunden und muss danach abgewaschen werden. Beide funktionieren, wenn die Vorarbeit stimmt.
Wann muss der Rahmen zum Schweißer?
Wenn tragende Teile durchgerostet sind, Schweißnähte reißen oder Rohre so dünn sind, dass sie beim Drücken nachgeben. Das betrifft vor allem Hauptständeraufnahme, Motoraufhängung und Lenkkopf. Hier geht es um deine Sicherheit, nicht ums Aussehen.
Muss ich den Motor ausbauen?
Für einzelne Roststellen nicht. Für eine komplette Restaurierung mit Strahlen und Lackieren muss der Rahmen nackt sein, also Motor, Gabel, Kabelbaum und Tank raus.
Wie oft muss ich den Hohlraumschutz erneuern?
Lanolinspray wie Fluid Film etwa einmal im Jahr, am besten vor dem Winter. Heißwachs hält bei sauberer Verarbeitung viele Jahre.
Passt auch
Quellen (10) · Richtwerte aus Foren, Werkstatt-Ratgebern und Herstellerangaben, im Zweifel gilt das Werkstatthandbuch
- BRUNOX epoxy: Technisches Merkblatt (DE)
- FERTAN Rostkonverter: Technisches Datenblatt
- Mipa: Technisches Merkblatt 1K-Epoxy-Primer-Spray
- Hammerite: Technisches Merkblatt Metall-Schutzlack Hammerschlag (Aerosol)
- Kfz-Dietrich: Fluid Film vs. Mike Sanders
- KomNet NRW: Quarzhaltige Strahlmittel
- toom: 3M A2P2-Atemschutzmaske für Farbspritzarbeiten
- YouTube: SYM FLASH - WINTERPROJEKT - TEIL #1 (Scooter Welt)
- YouTube: SYM Flash – Wird er wieder laufen? (Scooter Welt)
- YouTube: Roller-Tuning: 50cc auf 70ccm – Teil 2 (Scooter Welt)