Steuerzeiten-Rechner

Rechnen

Wie weit der Kolbenboden unter der Zylinderoberkante steht. Steht er drüber: negativ eintragen.

Gemessen von der Zylinderoberkante bis zur Oberkante des Kanals.

Auslass

–

Überströmer

–

Steuerzeit = 360° − 2 × Öffnungswinkel nach OT. Öffnungswinkel aus Hub, Pleuel und Kolbenweg bis zur Kanalkante (Kurbeltrieb exakt gerechnet).

Wichtig: Feilen und Fräsen am Kanal lässt sich nicht rückgängig machen. Rechne vorher, miss nach jedem Schritt nach und prüf am Ende den Quetschspalt. Ein bearbeiteter Zylinder lässt die Betriebserlaubnis erlöschen.

Was Steuerzeiten sind

Beim 2-Takter öffnet und schließt der Kolben die Kanäle selbst. Die Steuerzeit sagt, wie viele Grad Kurbelumdrehung ein Kanal offen ist. Der Auslass öffnet zuerst, kurz danach die Überströmer. Beide schließen symmetrisch zum unteren Totpunkt wieder. Je höher die Oberkante eines Kanals liegt, desto früher öffnet er und desto länger ist er offen.

Mehr Auslass-Steuerzeit verschiebt die Leistung in höhere Drehzahlen und kostet Durchzug unten herum. Der Auspuff muss dazu passen. Deshalb gibt es keine Zahl, die für jeden Roller richtig ist. Der Rechner zeigt dir, wo dein Zylinder steht und wie viel Millimeter eine Änderung bedeutet.

So misst du die Werte

  1. Hub und Pleuel

    Der Hub steht auf der Motorseite oder auf der Kurbelwelle deines Tuning-Herstellers. Die Pleuellänge misst du von Mitte oberes Auge bis Mitte unteres Auge. Bei Serienwellen hilft die Vorauswahl oben, wo wir eine Quelle haben.

  2. Kolben bei OT

    Zylinder mit Fußdichtung montieren, Kopf ab, Kolben in den oberen Totpunkt drehen. Mit dem Tiefenmaß des Messschiebers misst du, wie weit der Kolbenboden unter der Zylinderoberkante steht. Steht er drüber, trägst du den Wert negativ ein.

  3. Kanalkanten

    Miss von der Zylinderoberkante bis zur Oberkante von Auslass und Haupt-Überströmern, am besten in der Kanalmitte. Bei Kanälen mit gewölbter Oberkante zählt der höchste Punkt, denn dort öffnet der Kanal zuerst.

  4. Kontrolle mit Gradscheibe

    Gradscheibe auf die Kurbelwelle, fester Zeiger am Motor, Kolben langsam drehen. Notier, wann der Kolben die Kante freigibt und wieder verdeckt. Die Summe ist die Steuerzeit. So siehst du auch, ob beide Seiten gleich sind.

Rechenbeispiel

Minarelli-Kurbelwelle mit 39,2 mm Hub und 80 mm Pleuel. Der Kolben steht bei OT 0,5 mm unter der Oberkante. Die Auslasskante liegt 21,0 mm tief, die Überströmer 27,0 mm.

  • Auslass: 188,9°
  • Überströmer: 152,9°
  • Vorauslass: 18,0° pro Seite
  • Nimmst du am Auslass 0,5 mm weg (Kante bei 20,5 mm), steigt die Steuerzeit auf 191,8°.

Ein halber Millimeter macht hier also gut 2,9°. Deshalb lieber in kleinen Schritten arbeiten.

Aus dem Kanal: 70ccm Zylinder porten.

Häufige Fragen

Was passiert mit einer dickeren Fußdichtung?

Der Zylinder sitzt höher, alle Kanäle öffnen früher. Auslass und Überströmer bekommen dadurch längere Steuerzeiten, der Vorauslass bleibt fast gleich. Gleichzeitig wird der Quetschspalt größer und die Verdichtung sinkt. Im Rechner gibst du das als größeren Abstand Kolben zu Oberkante bei OT ein.

Wie genau ist die Rechnung?

Die Geometrie ist exakt. Ungenau sind die Messwerte: Ein Zehntelmillimeter an der Kanalkante macht beim 50er schon rund einen Grad aus. Miss jede Kante mehrmals und rechne lieber mit dem Mittelwert. Für die letzte Sicherheit kontrollierst du mit der Gradscheibe.

Warum muss ich die Pleuellänge kennen?

Das Pleuel bestimmt, wie schnell der Kolben sich bei einem bestimmten Kurbelwinkel bewegt. Mit falscher Pleuellänge liegt das Ergebnis schnell ein paar Grad daneben. Die Länge misst du von Mitte Pleuelauge oben bis Mitte Pleuelauge unten.

Was ist der Vorauslass?

So viele Grad öffnet der Auslass, bevor die Überströmer aufgehen. In dieser Zeit entweicht der Druck aus dem Zylinder, damit das frische Gemisch danach nicht zurück ins Kurbelgehäuse gedrückt wird. Der Rechner zeigt ihn als halbe Differenz von Auslass- und Überströmersteuerzeit, also pro Seite des unteren Totpunkts.

Welche Steuerzeiten sind gut?

Das hängt vom ganzen Setup ab: Auspuff, Vergaser, Drehzahlbereich, Einsatz. Mehr Auslass-Steuerzeit verschiebt die Leistung nach oben und kostet unten herum. Als Orientierung: Stage6 gibt für den 70er Racing-Zylinder MK2 (Minarelli liegend LC) 190° und 130° an. Ein Straßenzylinder liegt meist darunter.

Brauche ich eine Gradscheibe?

Für die Planung reicht der Rechner mit sauber gemessenen Werten. Bevor du feilst oder fräst, lohnt sich die Kontrolle mit Gradscheibe und Zeiger am Motor. Damit siehst du auch, ob linke und rechte Kanalseite gleich hoch sind.

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