Roller-Zylinder porten: Grundlagen, Risiken, Werkzeug

Beim Porten schleifst du die Kanäle im Zylinder nach.

Schwer · 4–8 Std plus Zerlegen und Einbau · Von Serafin · Nov. 2026

Kurz gesagt: Miss zuerst die Steuerzeiten mit Gradscheibe. Dann entgratest du alle Kanalkanten und gleichst Übergänge an. Erst danach hebst du den Auslass an, in kleinen Schritten mit Messen dazwischen. Die Laufbahn und die Beschichtung fasst du nicht an. Nach jeder Änderung an der Fußdichtung prüfst du den Quetschspalt.

Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Was Porten verändert
  2. Erst messen: Steuerzeiten mit Gradscheibe
  3. Werkzeug und Arbeitsweise
  4. Die Grundschritte in sinnvoller Reihenfolge
  5. Nikasil und Beschichtung: was du nicht anfasst
  6. Fußdichtung und Quetschspalt
  7. Risiken und wann ein besserer Kit klüger ist
  8. Häufige Fragen

1Was Porten verändert

Ein Zweitakter hat keine Ventile. Der Kolben gibt die Kanäle frei und deckt sie wieder ab. Die Lage der Kanalkanten bestimmt deshalb die Steuerzeiten.

  • Auslass anheben: Die Oberkante des Auslassfensters rückt Richtung Kopf. Der Auslass öffnet früher und bleibt länger offen. Das Abgas kommt schneller raus, der Motor dreht meist höher. Hebst du zu viel an, entweicht der Druck zu früh und unten fehlt Kraft.
  • Vorauslass: So heißt der Abstand zwischen Öffnen des Auslasses und Öffnen der Überströmer. Er berechnet sich aus (Auslasssteuerzeit minus Überströmsteuerzeit) geteilt durch 2.
  • Auslass verbreitern: Mehr Fläche, ohne die Steuerzeit zu verlängern. Gerade im oberen Bereich bringt Breite viel Zeitquerschnitt. Unten bringt Breite wenig und kann mehr Frischgas in den Auspuff spülen.
  • Grenze der Breite: Ist das Fenster zu breit, drücken sich die Kolbenringe hinein und bleiben an der Kante hängen. Im besten Fall verschleißen sie schnell. Im schlimmsten Fall bricht ein Ring und zerstört Kolben und Zylinder.
  • Als Richtwert nennt eine Anleitung aus dem VespaOnline-Wiki eine Sehnenbreite von etwa 70 % der Bohrung bei verchromten Stahlringen und etwa 65 % bei Gussringen. Das gilt für einfache Auslässe ohne Steg. Die Freigabe deines Zylinderherstellers geht immer vor.
  • Ein Auslass mit Mittelsteg erlaubt breitere Fenster. Der Steg muss aber etwas zurückgeschliffen sein, sonst dehnt er sich warm in die Bohrung und klemmt den Kolben.
  • Lieber breiter als höher: Hol Zeitquerschnitt eher über die Breite. Ein breiter Auslass mit kürzerer Steuerzeit kann so viel bringen wie ein hoher und hält das Resonanzband breiter.
  • Überströmer anheben kostet Vorauslass: Wer die Überströmer höher legt, verkürzt die Zeit, in der nur der Auslass offen ist. Zu wenig Vorauslass kostet oben Leistung.
  • Auslassstutzen nicht aufreißen: Die Austrittsfläche am Flansch soll etwa 75 % der Fensterfläche haben. Dann bleibt das Abgas schnell. Den Stutzen nicht einfach auf einen großen Krümmer aufweiten.
  • Praxis-Messung an einem Serien-50er: Nach OT öffnet der Auslass bei 92°, die Überströmer bei 120°. Sie schließen bei 235°, der Auslass bei 261°. Das ergibt 169° Auslass, 115° Überströmer und rund 27° Vorauslass. Das ist zahm und typisch für Serie.
  • Was ein Sportauspuff will: Resonanzauspuffe für 50er sind oft auf deutlich längere Zeiten ausgelegt. Ein Praxisbeispiel nennt etwa 196° Auslass und 134° Überströmer. Der Abstand zu deinen Messwerten zeigt, wie weit Zylinder und Auspuff auseinanderliegen. Fräs trotzdem in kleinen Schritten und miss nach jedem Durchgang.

2Erst messen: Steuerzeiten mit Gradscheibe

Ohne Messung weißt du nicht, wo du startest und was dein Schleifen bewirkt hat. Rechnen kannst du die Werte danach mit unserem Steuerzeiten-Rechner.

  1. Aufbau

    Zylinder ohne Kopf montieren und mit Unterlegscheiben auf mindestens zwei Stehbolzen festziehen. Gradscheibe auf die Kurbelwelle, Zeiger fest am Gehäuse.

  2. Auslass messen

    Kolben in den unteren Totpunkt, Scheibe auf 0. Kurbelwelle drehen, bis der Kolben die Auslassoberkante gerade schließt. Winkel notieren. Dann in die andere Richtung über UT hinaus bis zum Schließen drehen. Beide Werte addieren.

  3. Überströmer messen

    Genauso an den Überströmkanälen messen, die am nächsten zum Kopf liegen. Mehrmals messen und den Mittelwert nehmen.

  4. Vorauslass berechnen

    Auslasszeit minus Überströmzeit, geteilt durch 2. Beispiel aus dem VespaOnline-Wiki: 170° Auslass und 100° Überströmer ergeben 35° Vorauslass.

  5. Breite messen

    Fensterränder an der breitesten Stelle auf dem Kolbenboden anzeichnen und mit dem Messschieber messen. Breite durch Bohrung mal 100 ergibt den Prozentwert.

  6. Methode festlegen

    Entscheide dich für eine Methode und bleib dabei. Gut funktioniert das Ablesen mit dem Auge von unten an der höchsten Stelle des Fensters, ohne Lampe dahinter, weil Licht durchs Kolbenspiel scheint. Nimm für die Überströmer eine normale Lampe statt LED, die blendet in der Laufbahn.

  7. Alternative: OT als Nullpunkt

    Du kannst auch vom oberen Totpunkt aus messen. Scheibe im OT auf 0, dann weiterdrehen und notieren: Auslass öffnet, Überströmer öffnen, Überströmer schließen, Auslass schließt. Steuerzeit = Schließwinkel minus Öffnungswinkel. Ob du vorwärts oder rückwärts drehst, ist egal. Das Ergebnis bleibt gleich.

  8. Gradscheibe selbst bauen

    Eine Gradscheibe musst du nicht kaufen. Druck eine aus, kleb sie auf eine stabile Holz- oder Metallscheibe und montier sie fest an der Welle. Dazu ein fester Zeiger am Gehäuse. Für einen genauen OT hilft eine Messuhr im Kerzenloch.

Aus dem Video „70ccm Zylinder porten: mehr Leistung für 0€“: Ich zeige, wie ich einen günstigen 70er-Zylinder mit dem Drehmel nacharbeite. Es geht nur um Kanten, Übergänge und das Kolbenfenster, nicht um radikales Porten. Nach rund zwei Stunden ist der Zylinder deutlich sauberer.
  • Eckige Kanten am Eingang der Überströmer rund schleifen
  • Auslass glätten, Kolbenfenster an die Überströmer anpassen
  • Schleifaufsätze für den Drehmel kosten rund 15 €
  • Zum Schluss alle Kanten mit Schleifpapier brechen, nicht zu dünn schleifen
Auf YouTube ansehen →

3Werkzeug und Arbeitsweise

  • Dremel oder Biegewelle: Eine Biegewelle kommt besser in die Kanäle. Für die Überströmer hilft ein 90°-Aufsatz.
  • Hartmetallfräser: Feine Verzahnung für Alu und Grauguss. Grobe Fräser rupfen und hinterlassen Stufen.
  • Ohne Druck fräsen. Lass das Werkzeug arbeiten. Druck kann an Alu-Zylindern die Beschichtung abheben.
  • Erfahrene Schrauber berichten, dass Hartmetall eine Beschichtung eher absprengt als sauber schneidet. Diamantfräser schneiden sie besser, setzen sich in Alu aber zu.
  • Schleifpapier: Zum Glätten und Entgraten. Fürs Finish an den Kanten eignet sich sehr feines Papier, etwa 1500er bis 2000er.
  • Zeichne vor dem Schleifen eine Schablone mit Bezugspunkten an. Zum Beispiel die Oberkante der Überströmer oder die Sollhöhe des Auslasses, ermittelt mit der Gradscheibe.
  • Schutzbrille und Staubmaske tragen. Alu- und Graugussstaub willst du nicht in Augen und Lunge haben.
  • Aus meinem Video: Ein einfacher Drehmel reicht für den Anfang. Ein Satz Schleif- und Fräsaufsätze kostet laut meinem Video etwa 15 €. Den kannst du für viele Projekte wieder nutzen.
  • Schutzbrille ist Pflicht. Metallsplitter und Schleifstaub fliegen dir sonst in die Augen. Arbeite über einem Karton oder einer Unterlage, damit du die Späne leicht wegräumen kannst.
  • Gussreste tief im Kanal: In billigen Zylindern stecken oft kleine Gussreste tief in den Überströmern. Ohne langen, dünnen Aufsatz kommst du da nicht hin. Lass sie dann lieber drin, statt mit einem zu großen Kopf die Kanalwand zu beschädigen.

4Die Grundschritte in sinnvoller Reihenfolge

  1. Kanten anfasen

    Alle Kanalkanten zur Laufbahn hin entgraten und leicht anfasen. Scharfe Kanten haken die Ringe an. Auch Hersteller wie Stage6 verlangen in der Anleitung, Kanäle und Kolben vor dem Einbau auf Grate zu prüfen und mit feinem Papier zu entgraten.

  2. Übergänge angleichen

    Fußdichtung und Auspuffdichtung auflegen und schauen, ob Kanäle und Dichtung überstehen. Stufen zwischen Gehäuse, Zylinder und Krümmer vorsichtig angleichen. Den Querschnitt dabei gerade bis zum Ende des Auslassstutzens führen, nicht trichterförmig.

  3. Unterkante prüfen

    Im unteren Totpunkt soll der Kolbenboden bündig mit der Auslassunterkante abschließen. Steht die Kante höher, kannst du sie nacharbeiten.

  4. Auslass anheben, aber in kleinen Schritten

    Nimm wenig Material weg und miss danach neu. Lieber fünfmal messen als einmal zu viel. Wegschleifen kannst du immer, wieder dranmachen nie.

  5. Form der Oberkante

    Eine leicht gebogene Oberkante schont die Ringe. Eine gerade Kante gibt einen schärferen Druckimpuls, der Motor setzt dann ruppiger ein. Bei Alu-Zylindern keinen großen Radius schleifen, die Ringe arbeiten sich sonst ins weiche Material.

  6. Sauber machen

    Alle Späne und Schleifreste mit Bremsenreiniger und Druckluft entfernen, auch aus Kanälen und Gewinden. Ein einziger Span reicht für einen Kolbenfresser.

  7. Wandstärke prüfen

    Bevor du schleifst, taste die Wandstärke um den Kanal ab. Sonst brichst du beim Wassergekühlten in den Wassermantel durch oder beim Luftgekühlten nach außen.

  8. Kolbenring als Anreißhilfe

    So geht's: Ringdicke messen, Laufbahn ölen und einen Ring mit einem Kolben von unten gerade in den Kanalbereich schieben. Den Tiefenmesser auf die Zielhöhe ab OT minus Ringdicke stellen und den Ring daran ausrichten. Jetzt hast du eine gerade Linie zum Anzeichnen.

  9. Beschichtung zuerst anritzen

    An beschichteten Alu-Zylindern die Schicht an der Schnittstelle zuerst mit Diamantfräser oder Schleifstein durchbrechen. Ein Hartmetallfräser, der an der Kante greift, sprengt sonst Stücke ab. Auf kleinen Zylindern entscheiden 0,2–0,3 mm über gut oder Schrott.

  10. Eckige Kanten am Überströmer-Eingang brechen

    Aus meinem Video: Unten am Eingang der Überströmer sitzt bei billigen Graugusszylindern oft eine scharfe, eckige Kante. Die schleife ich rund, damit das Gemisch nicht abreißt und sauber in die Kanäle strömt.

  11. Auslass glätten

    Im Auslass entferne ich Gussgrate und mache die Wände glatt. Ich vergrößere das Fenster nicht stark. Mir geht es um sauberen Durchfluss, nicht um eine neue Steuerzeit.

  12. Kolbenfenster an die Überströmer anpassen

    Bei meinem Kit hat der Kolben einen Überströmer teilweise verdeckt. Ich habe das Fenster im Kolbenhemd so angepasst, dass der Kanal seine volle Größe hat. Die beiden kleinen Löcher im Kolben habe ich nur etwas erweitert. Das Hemd nicht zu dünn schleifen.

  13. Zum Schluss von Hand entgraten

    Nach dem Drehmeln gehe ich mit feinem Schleifpapier über alle Kanten. Es darf keine scharfe Kante bleiben, an der Ringe hängen bleiben. Danach alles gründlich auswaschen, damit kein Schleifstaub im Motor landet.

5Nikasil und Beschichtung: was du nicht anfasst

Die meisten Alu-Zylinder haben eine harte Beschichtung auf der Laufbahn, oft Nikasil. Sie ist nur dünn aufgetragen.

  • Laufbahn tabu: Die Lauffläche selbst schleifst, honst oder polierst du nicht. Das ist Sache von Fachbetrieben.
  • Beschichtung an der Kante: Arbeite so, dass du die Schicht nicht vom Alu abhebst. Lose Ränder sind ein Risiko, weil die Ringe daran hängen bleiben können.
  • Kein großer Radius: An beschichteten Kanten nur eine feine Fase. Ein großer Radius legt das weiche Alu frei.
  • Überströmer-Winkel: Richtung und Form der Überströmkanäle steuern die Spülung. Als Einsteiger lässt du sie, wie sie sind, und entgratest nur.
  • Kein Übermaß: Einen beschichteten Zylinder kannst du nicht einfach aufbohren lassen. Ist die Laufbahn hin, hilft nur Neubeschichten oder ein neuer Zylinder.
  • Grauguss verzeiht mehr. Dort darfst du auch eine gerade Oberkante machen, wenn du sie verrundest.

6Fußdichtung und Quetschspalt

Eine dickere Fußdichtung hebt den Zylinder an. Damit ändern sich gleich drei Dinge: Die Kanäle öffnen früher, die Steuerzeiten werden länger, und der Quetschspalt wird größer.

  1. Lötzinn einlegen

    Ein Stück Lötzinn durch das Kerzenloch so einführen, dass es über dem Kolbenrand liegt.

  2. Über OT drehen

    Motor langsam von Hand über den oberen Totpunkt drehen. Der Kolben drückt das Zinn platt.

  3. Messen

    Das Zinn an der dünnsten Stelle mit dem Messschieber messen. Mindestens an zwei gegenüberliegenden Stellen messen. Große Unterschiede deuten auf ein Montageproblem hin.

  4. Mit Sollwert vergleichen

    Der Sollwert steht in der Anleitung deines Zylinders. Als Beispiel nennt Stage6 für seinen R/T 70 (Minarelli AM6) 0,45 mm ± 0,05 mm als Richtwert. Für deinen Zylinder gilt der Wert deines Herstellers.

  • Wählst du eine Fußdichtung nur nach einem Wert aus, verstellst du die anderen mit. Steuerzeiten und Quetschspalt immer zusammen betrachten.
  • Zu enger Quetschspalt: Der Kolben kann den Kopf berühren. Zu weiter Spalt: Der Motor neigt eher zum Klingeln und verliert Druck.
  • Luftgekühlt verträgt weniger: An luftgekühlten Booster-Motoren immer Quetschspalt und Verdichtung prüfen. In einem Praxisfall ergab die Messung 14,15:1, für einen haltbaren AC-Motor zu hoch. Eine dickere Fußdichtung löste das, dafür gab es etwas weniger Leistung.

7Risiken und wann ein besserer Kit klüger ist

  • Zu viel weggeschliffen: Der Zylinder ist Schrott. Material kannst du nicht zurückbringen.
  • Ringe haken: Zu breite Fenster oder scharfe Kanten führen zu Ringbruch und Kolbenschaden.
  • Mehr Drehzahl, weniger Kraft unten: Ein angehobener Auslass verschiebt das Band nach oben. Ohne passenden Auspuff, Vergaser und Variomatik wird der Roller oft nicht schneller, sondern zäher.
  • Mehr Hitze: Nach dem Porten neu bedüsen und das Kerzenbild lesen. Ein zu mageres Gemisch endet im Klemmer.
  • Wann kaufen klüger ist: Wenn dein Zylinder verschlissen ist. Wenn du ein deutliches Leistungsplus willst. Oder wenn dir Messwerkzeug und Erfahrung fehlen. Ein guter Tuning-Kit hat die Kanäle schon passend gelegt und kommt mit Angaben zu Quetschspalt und Bedüsung.
  • Zum Üben eignet sich ein billiger gebrauchter Zylinder. Nicht der, den du morgen zur Schule brauchst.
  • Jede Änderung an Zylinder oder Steuerzeiten lässt die Betriebserlaubnis erlöschen. Mehr dazu auf der Seite zum Eintragen.
  • Mein Erfahrungswert: Für Kanten, Auslass und Kolbenfenster habe ich beim dritten Zylinder rund zwei Stunden gebraucht. Plane mehr Zeit ein, wenn du es zum ersten Mal machst.
  • Lieber zurückhaltend: Ich lasse bewusst Material stehen, damit der Zylinder lange hält. Radikales Porten bringt mehr Spitze, kostet aber Haltbarkeit und braucht eine komplett neue Abstimmung.

Werkzeug für diese Arbeit

  • Gradscheibe und selbst gebogener Zeiger
  • Messschieber
  • Dremel oder Biegewelle
  • Hartmetallfräser mit feiner Verzahnung
  • Schleifpapier von 80 bis 2000er Körnung
  • Edding oder Anreißfarbe
  • Lötzinn zum Messen des Quetschspalts
  • Schutzbrille, Staubmaske, Handschuhe
  • Bremsenreiniger und Druckluft
Achtung: Porten verändert den Motor. Dadurch erlischt die Betriebserlaubnis, und du darfst den Roller ohne Abnahme nicht auf öffentlichen Straßen fahren. Trag beim Fräsen Schutzbrille und Staubmaske. Arbeite nur am kalten, zerlegten Motor. Benzin und Reiniger sind leicht entzündlich, also kein Funkenflug vom Dremel in der Nähe von Benzin oder offenen Dosen.

Häufige Fragen

Bringt Porten an einem Original-50er überhaupt etwas?

Etwas Leistung kann es bringen, vor allem mit Auspuff und Vergaser, die dazu passen. Allein an einem Serienmotor ist der Gewinn oft klein. Das Risiko, den Zylinder zu verderben, ist dagegen echt.

Wie viel darf ich den Auslass anheben?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Sie hängt von Hub, Auspuff und Ziel ab. Miss den Ist-Zustand, plane die Ziel-Steuerzeit mit einem Rechner und nähere dich in kleinen Schritten mit Messen dazwischen.

Kann ich den Auslass einfach breiter machen?

Nur bis zu einer Grenze. Als Richtwert gelten etwa 65 bis 70 % der Bohrung, je nach Ringart. Darüber haken die Ringe ein, und ein Ringbruch zerstört Kolben und Zylinder.

Muss ich nach dem Porten neu bedüsen?

Ja, rechne damit. Geänderte Steuerzeiten ändern den Gemischbedarf. Fang lieber zu fett an und taste dich mit dem Kerzenbild heran.

Grauguss oder Alu: was lässt sich leichter porten?

Grauguss verzeiht mehr, weil keine dünne Beschichtung auf der Laufbahn sitzt. Bei beschichteten Alu-Zylindern musst du an den Kanten sehr vorsichtig arbeiten, damit die Schicht nicht abplatzt.

Meine Gradwerte weichen von anderen Messungen ab. Wer hat recht?

Vielleicht beide. Gradscheibe mit Blick von unten, Lampe im Kanal und Fühlerlehre liefern leicht verschiedene Werte. Eine 0,20-mm-Fühlerlehre kann schon rund 1° pro Seite ausmachen. Vergleichbar sind nur Messungen mit derselben Methode. Bleib also immer bei deiner.

Wie lang darf die Auslasssteuerzeit werden?

Der Resonanzauspuff wirkt am breitesten bei etwa 190° Auslass. Jedes Grad darüber macht das nutzbare Band schmaler, bringt aber oben Drehzahl. Um 230° wird es kaum noch fahrbar. Für deinen Zylinder zählen Hub, Auspuff und Ziel.

Wie messe ich die Verdichtung?

inSella zeigt es so: Kolben genau auf OT, Kolbenrand leicht fetten, dann mit Bürette oder Spritze Öl durchs Kerzenloch bis zum ersten Gewindegang einfüllen. Das ergibt das Brennraumvolumen. Verdichtung = (Hubraum + Brennraumvolumen) geteilt durch Brennraumvolumen. Um 13:1 liegt laut inSella die Grenze für normales Super, darüber droht Klopfen.

Lohnt sich Porten bei einem 50-€-Zylinder?

Aus meinem Video: Ja, wenn du Zeit hast. Bei meinem 2Extreme-70er war die Grundqualität gut, aber die Übergänge an den Kanälen waren grob. Nach etwa zwei Stunden mit dem Drehmel lief er spürbar besser als im Auslieferungszustand. Gemessen habe ich die Leistung nicht, es ist also ein Fahreindruck.

Wie viel Material nehme ich weg?

In meinem Build nur wenig. Ich glätte Kanten und Übergänge und weite nichts radikal auf. Wer zu dünn schleift, verkürzt die Lebensdauer des Zylinders. Wenn du Steuerzeiten wirklich ändern willst, miss vorher mit der Gradscheibe.

Welche Steuerzeiten hat ein Serien-50er ungefähr?

Eine Praxis-Messung an einem Serienzylinder ergab rund 169° Auslass und 115° Überströmer. Das variiert je nach Motor. Miss deinen eigenen Zylinder, bevor du etwas wegnimmst. Nur so weißt du, wo du startest.

Spielt der Hub beim Porten eine Rolle?

Ja. Wie viele Grad ein Millimeter am Fenster ausmacht, hängt vom Hub und vom Pleuel ab. Bei rund 39 mm Hub fährt der Kolben pro Umdrehung einmal hoch und runter. Rechne deshalb nicht pauschal in Millimetern, sondern prüf nach jedem Schritt mit der Gradscheibe.

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